Mein Blog über Lübeck

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© Sandra Rohloff
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Sagenhafte Leidenschaft

Es kann wieder losgehen. Juhu…..!!!!!

Das Wetter wird besser, die Eisheiligen verabschieden sich und die Corona Auflagen werden gelockert. Das sind alles großartige Entwicklungen. Vielleicht geht es dir auch so, dass du Lust bekommst, wieder etwas zu unternehmen.

Unter einigen Bestimmungen können meine Stadtführungen durch Lübeck und Travemünde wieder stattfinden. Die Maskenpflicht gilt weiterhin und außerdem ist ein Corona-Test erforderlich.

Nun aber zum Thema des heutigen Blogeintrags. Ich war Georg Westphal in Gothmund besuchen. Gothmund ist ein Fischerdorf, dass 1502 das erste Mal erwähnt wurde. Der Weg von der Ostsee zurück nach Lübeck war zu lang und ein Zwischenlager musste her. Aus den ursprünglichen kleinen Behausungen, ist im Laufe der Zeit, eine wunderschöne Siedlung entstanden.

„Letztendlich geht es nur mit Leidenschaft!“

Dieser Satz schwirrte mir noch Stunden nach dem inspirierenden Gespräch im Kopf herum.

Georg Westphal ist Fischer in vierter Generation. Das allein finde ich schon bemerkenswert, aber seine Geschichte ist noch viel spannender. Schon als Kind wurde er in die Bräuche der Fischer eingeweiht. Er nahm am sog. Gothmunder Krugtag teil. Der Krugtag ist eine Art Erntedankfest der Fischer. Im St. Annen Museum kannst du das traditionelle Zinngeschirr der Fischer bestaunen. Vor dem Fest holen sich die Gothmunder das Geschirr zurück, und verwenden es auch heute noch an diesem ganz besonderen Tag. Der Ablauf des Krugtages folgt bestimmten Ritualen, bei denen Braunbier aus einem großen Zinnkrug getrunken wird. Während der Veranstaltung lässt der sog. Ältermann das vergangene Jahr Revue passieren. Im Anschluss wird mit der ganzen Familie gefeiert und getanzt.

Das alles muss für ein Kind einen unvergesslichen Eindruck hinterlassen. Und auch ich würde gerne Mäuschen spielen. Georg Westphal fuhr schon als Junge mit seinem Papa zum fischen raus auf die Ostsee und die Trave. Eltern wollen in der Regel das Beste für Ihre Kinder und der eigene Beruf erscheint manchem Elternteil nicht passend für den eigenen Sohn. So riet ihm sein Papa dazu, einen anderen Beruf zu ergreifen. Georg Westphal kam also über Umwege zur Fischerei.

Eine Handwerkliche Ausbildung zum Fernmeldetechniker reichte Georg Westphal nicht aus. Er machte sein Abitur und studierte im Anschluss Zahnmedizin. Über 30Jahre leitete er seine Zahnarztpraxis in Lübeck. „Kann ich Sie nochmal kurz sprechen?“ sprach ihn eine Patientin nach der Behandlung an. „Meine Freundin in Zahnärztin und sucht eine Praxis.“

Auch wenn er zunächst etwas verdattert war von diesem ungewöhnlichen Gespräch, dachte er über einen möglichen Verkauf seiner Praxis nach und entschied sich schlussendlich dafür.

Aber was nun? Eine Frage, die ich mir selbst auch schon stellen musste.

Für den Ruhestand war es Georg Westphal noch zu früh. Jetzt kam die Fischerei ins Spiel. Er entschied sich dafür eine neue Ausbildung zu machen. Durch einige sehr glückliche Umstände konnte er die drei jährige Ausbildung stark verkürzen. Nach einem zwei monatigen Praktikum und drei Monaten Schule, machte Georg Westphal seine Prüfung zum Fischer. Jetzt heißt es Berufserfahrung sammeln für die Meisterprüfung.

Ich erfahre, dass die Fischerei in der Trave stark reglementiert ist. Die Rechte der sog. Lübecker Stadtfischer werden vererbt. Es braucht den Meisterbrief und einiges an Erfahrung, die in Zusammenarbeit mit einem Kollegen auf der Trave erworben werden kann. Das Erbe muss innerhalb von fünf Jahren eingelöst werden, sonst verfallen die Fischereirechte für die Trave. Noch ist steht es gut für den Zeitplan.  

Das Fischerboot seines Papas ist startklar und neue Netze sind bestellt.

Jetzt kann Georg Westphal seiner großartigen Leidenschaft folgen und seinen Traum vom Fischer leben.

Vielen Dank für das Gespräch.

Wenn du mehr darüber erfahren möchtest welchen Einfluss die Fischerei auf Lübeck und Travemünde hatte, dann buche gerne eine meiner sagenhaften Lübeck Touren. Du hast eigene Ideen was du sehen und erfahren möchtest? Melde dich gerne bei mir, dann planen wir gemeinsam deine individuelle Stadtführung.

Ich freue mich auf dich.

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